Mein Karateweg 0 – Kyokushin was?

Als ich 1996 meinen Einstieg in die Kampfkunst gemacht habe, hätte ich niemals gedacht, dass ich mich jemals dem Karate zuwenden würde.

Mit knapp 20 Jahren Wing Chun auf dem Buckel, etwas Erfahrung in Aikido und einem Schnupperjahr Taijiquan, habe ich etwa 2 – 3 Jahre Pause gemacht. Ich fühlte mich eingefahren, beinahe eingerostet und überlegte lange, wie es für mich weitergehen konnte… ja, OB es überhaupt weitergehen konnte!

Wieder Wing Chun, nur vielleicht ein Wechsel des Verbandes? Oder Freistil? Ich musste ja mittlerweile auch auf meinen Körper hören, ich bin ja nun auch nicht mehr der Jüngtse… und dann fiel mein Blick auf meine Tochter, die sich in den letzten Jahren zum Blaugurt im Andyoko Ryu Kempo Karate entwickelt hat… und ich dachte mir, „warum eigentlich nicht Karate?“

Kyokushin

Ich muss zugeben, dass ich Karate immer nur als KampfSPORT gesehen habe, bei dem Fitness und Charakterbildung im Vordergrund stehen. Doch die gelegentlichen Sparrings mit meiner Tochter haben mir gezeigt, dass da doch etwas mehr hinter steckt.

Dennoch hatte ich meine Zweifel, war ich doch seit vielen Jahren auf „innere“ Kampfkünste gedrillt. Trotzdem bemühte ich Google und fing an mich zu informieren. Interessanterweise erfuhr ich, dass Karate ursprünglich „chinesische Hand“ und nicht „leere Hand“ bedeutet und somit auch der Ursprung vom Karate klar wurde: Karate entwickelte sich aus den chinesischen Kampfkünsten. Mir war zwar klar, dass China und Japan und vor Allem auch die Inselkette des alten Ryukyu-Reiches sich durchaus gegenseitig in all den Jahrtausenden befruchteten, aber ich habe Karate immer als originär japanische Kampfkunst gesehen. Am Meisten hat mich aber überrascht, dass die chinesischen „inneren“ Kampfkünste die Basis für das Karate waren. Sollte also Taiji etc. der entfernte Großvater von Karate sein? Ein Enkel, der lediglich eine etwas andere Entwicklung genommen hat?

In totaler Kurzform: es scheint wohl so. Karate hat sich aus der reinen Zweckmäßigkeit entwickelt. Die Bauern mussten sich aufgrund eines Waffenverbots und der Repressalien schwer gepanzerter und bewaffneter „Ritter“ etwas einfallen lassen. Ziel war es also die chinesischen, weichen Kampfkünste so zu konzipieren, dass der Gegner bestenfalls mit einem Schlag ausgeknockt ist. So entwickelte sich aus dem „weichen“ Kung Fu das „harte“ Karate.

Meine Neugier war also endgültig geweckt, ich musste dieses Karate einfach mal selber machen… Google offenbarte mit 18 Karateschulen und -Vereine im Raum Ingolstadt. Ich suchte also eine Schule, deren Unterrichtszeiten irgendwie mit meiner Arbeit kompatibel waren. Es blieben 4 übrig. 3x Shotokan-, 1x Kyokushin-Karate.

Ich entschied mich für Kyokushin-Karate. Zum Einen, weil mir die Geschichte des Gründers imponierte und zum Zweiten, weil ich wieder richtig Bock auf hartes Sparring hatte und Kyokushin als Vollkontakt-Karate das offenbar anbietet.

Mas Oyama

Meine erste Trainingsstunde hatte ich dann am 10. September. Mit gebügelten Gi düste ich hin und versuchte so gut wie möglich mit zu machen. Mich erwartete eine bunte Mischung an Menschen mit einer irren Altersbandbreite. Von 12 bis 70 Jahren waren alle Altersklassen vertreten, Männer und Frauen. Ich war ein wenig überrascht, hatte ich doch, aufgrund des Rufs vom Kyokushin, hauptsächlich junge erwachsene Männer erwartet… aber weit gefehlt…

Der Trainingsaufbau war wie erwartet. Begrüßung, Kurzmeditation, Warmmachen, Grundübungen (Schläge, Tritte, Körperwendungen), Katas der Grundschule. Dann Sparring. Soweit so gut.

Einige Bewegungen waren bekannt, andere ungewohnt – die größte Umstellung für mich war aber tatsächlich der Fauststoß. Durch meinen Drill war ich es gewohnt einen „Geraden Fauststoß“ mit aufrechter Faust und einer Trefferfläche mit den drei unteren Fingerflächen (kleiner Finger, Ringfinger, Mittelfinger) zu machen. Der Tsuki beim Karate ist ein waagerechter Fauststoß mit Trefferfläche des Zeigefingers und Mittelfingers.

Nach dem Sparring hat es mich allerdings relativ kalt erwischt: Die Abhärtung.

Es begann mit klassischen Faustschlägen auf ein Schlagpolster. Als Anfänger wollte ich in Nichts nachstehen, doch je ausgepowerter ich war desto unkonzentrierter wurde ich und der Karate Tsuki mischte sich mit dem geraden Kung Fu Fauststoß. Ein Dilemma, der mir die rechte Hand stauchte.

Aber zur Abhärtung gehört nicht nur die Faust, auch diverse Muskelpartien und Körperpartien gehören dazu. Man fängt also an sich gegenseitig abwechselnd und organisiert mit Fäusten und Tritten etwaige Körperpartien zu traktieren. Brustmuskel, Bizeps, Trizeps, Unterarm, Rippenbogen, Bauch, Schienbein, Oberschenkel, etc. alles dabei.

Danach wieder Kurzmeditation, Verabschiedung, fertig.

Am nächsten Morgen ging es mir körperlich richtig mies. Ich konnte mich kaum bewegen, meine rechte Hand war leicht angeschwollen und pulsierte, aber ich war in Summe glücklich. Das war es. Das wollte ich weitermachen.

Das zweite Training war gefühlt nicht mehr ganz so schlimm, jedoch konnte ich mit der rechten Hand kaum etwas anfangen so daß ich jetzt erstmal eine Woche Pause eingelegt habe. Meiner Hand geht es mittlerweile besser, ist zwar noch nicht ausgeheilt, aber das wird schon noch. Am Dienstag geht es auf jeden Fall in die nächste Runde…

Aber warum tue ich mir das an?

Der Grund ist eigentlich ganz einfach: ich bin davon schlichtweg fasziniert. Mein Leben lang war ich schon immer von den Kampfkünsten fasziniert und ich hatte das Glück mal mehr, mal weniger in dieser Richtung lernen zu dürfen.

In den 2-3 Jahre Pause habe ich mich desöfteren gefragt, wie es sich eigentlich anfühlt, wenn man als älterer Mensch etwas komplett Neues in dieser Richtung anfängt. Wird man akzeptiert? Wie ist es, wenn man eine Gürtel-Prüfung mit Schulkindern gemeinsam macht? Kann man die verloren gegangene Beweglichkeit der Jugend wiederfinden und möglicherweise sogar weiter ausbauen? Wie weit kann man überhaupt noch kommen?

Ich bin mittlerweile 46 Jahre alt, meine Beweglichkeit hat in den letzten Jahren rapide abgenommen und mein Übergewicht lässt mich bei sportlicher Betätigung oftmals lächerlich aussehen. Mein einziger Vorteil gegenüber einem Anfänger „mittleren Alters“ ist der, dass ich vielleicht etwas mehr Erfahrung und mehrere Dojos und Trainingsräume bereits von innen gesehen habe.

Mehr nicht.

Ich will daher versuchen unter dem Titel „mein Karateweg“ eine fortlaufende Reihe machen, die

  • mit den Problemen offen umgeht
  • Mut machen soll
  • vielleicht sogar inspirieren kann

Dabei ist es völlig egal, welche Art von Kampfkunst man im Alter beginnen möchte…  ich glaube die Bedenken und Probleme sind immer ähnlich.

In diesem Sinne

Osu, Marcus

OSU

 

Havamal heute – 3. Spruch

Wärme wünscht, der vom Wege kommt mit erkaltetem Knie;

Mit Kost und Kleidern erquicke den Wandrer, der über Felsen fuhr.

Der Spruch ist nicht wirklich kompliziert und vom Sinn her leicht zu interpretieren. Ich habe mich aber dennoch gefragt, ob nicht etwas mehr dahinter steckt, denn wie immer in der nordischen Mythologie, gibt es nichts Lapidares  in den Texten… also schaunmermal.

Folgendes sticht hier heraus: das Knie und der Fels.

Was ist an einem  Knie und an einem  Fels so wichtig, dass diese Begriffe in einem eigentlich selbsterklärendem Spruch auftauchen?

Sowohl das Knie, als auch der Fels sind grundlegende Begriffe in der nordischen Mythologie. Der Fels ist Ausdruck von Standhaftigkeit, dem Ertragen von beschwerlichen Aufgaben und dem bewältigen von großen Hindernissen. Der Fels ist Ausdruck von großer Kraft, die man aufbringen musste, um etwas zu erreichen.

Ein Wanderer der über Felsen fuhr ist also jemand, der einen äußerst beschwerlichen und langen Weg hinter sich gebracht hat und nun (zurecht) das Gastrecht einfordert.

Das Knie ist in der nordischen Mythologie ein Ausdruck der Beweglichkeit und Freiheit beschreibt. Je besser sich ein Knie bewegen kann, desto freier und beweglicher ist Mensch. Im alten Norden gab es zum Beispiel folgenden Ausdruck, um einen „verliebten“ Mann“ zu beschreiben, der nicht mehr von der Seite seiner Angebeteten wich:

„Sie schoss ihm einen Pfeil ins Knie!“

Im Englischen gibt es hierfür die Redewendung: „putting an arrow to the knee!“

Heutzutage gehen manche davon aus, dass genau dies auch der Grund ist, warum in der nordischen Welt der Mann bei einem Heiratsantrag auf die Knie geht…. macht schon Sinn irgendwie…. 🙂

Das Spiel Skyrim geht lustigerweise auch auf diesen Umstand ein. Die Wachen auf der Stadtmauer murmeln folgenden Satz: „Früher war ich auch ein Abenteurer, aber dann habe ich einen Pfeil ins Knie bekommen!“

Sei’s drum – zurück zu dem Spruch: ein kaltes Knie ist ein bewegungsunfähiges Knie. Der Wanderer muss also bereits lange unterwegs gewesen sein, damit das Knie kalt und bewegungslos sein kann. Wärme ist dann eine Wohltat, die der Gastgeber sicher nicht verweigern sollte.

Somit wird der Spruch auch rund. Das quasi „erweiterte“ Gastrecht in dem einem Wanderer Wärme, Kleidung und Essen angeboten wird tritt dann in Kraft, wenn eine beschwerliche und lange Reise vorausging.

Ein kleines, aber in meinen Augen sehr wichtiges Detail, wenn es um die Interpretation und die Übertragung des Spruches auf die heutige Zeit geht.

Alsdann ihr Nordmenschen, bleibt weise!

Halbzeit, Umbau, Auszug?

Juni.

Es ist noch nicht so lange her, vielleicht ein halbes oder dreiviertel Jahr, da saß ich an eben dieser Stelle in der Küche und tippte in einen meiner Beiträge, dass ich etwaige Dinge im kommenden Jahr ändern werde. Nun ist dieses kommende Jahr bereits ein halbes Jahr alt und ich stelle fest, dass ich nur einen Bruchteil dessen geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe.

Ich habe die letzten Tage oft darüber nachgedacht den Blog einzustellen. Nach dem Lesen der letzten Beiträge ist mir vor Allem eines aufgefallen: das nicht klare Ausdrücken der eigenen Meinung und das ständige Gejammer. Beides habe ich satt.

Ein Blog dient ja in erster Linie dazu seine Meinung in gewisser Weise einer mehr oder weniger breiten Öffentlichkeit kundzutun. Wenn man nun versucht seine Meinung so rund wie möglich zu verpacken, damit sie auch ja niemanden sauer aufstoßen kann, dann ist man erstmal ohne Profil und letztendlich Teil des Mainstreams, der „öffentlichen“ Meinung quasi.

Aber will ich das sein?

Es gibt genug Dinge in diesem Staat, in Europa, auf der Welt die mich gewaltig nerven, die sicher den einen oder anderen tatsächlich offen geschriebenen Beitrag verdient hätten. Doch darf man so etwas veröffentlichen, auch wenn es gegen die öffentliche Meinung geht?

In der Allensbach-Umfrage zur Meinungsfreiheit heisst es, dass  71 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass Äußerungen zu prägnanten Themen mit Vorsicht ausgesprochen werden sollten. Rechte nicken eifrig, für sie ist das eine Bestätigung, Linke verharmlosen das Ergebnis und betreiben Wortklauberei, denn „Vorsicht“ bedeute ja nichts weiter, als auf Ausdruck und Wortwahl zu achten.

Ja, aber ist das nicht selbstverständlich auf Ausdruck und Wortwahl zu achten? Und ist es falsch einen gepflegten Diskurs zu führen, oder sich auch mal ordentlich zu streiten? Ich muss ja meinen Gegenüber nicht hassen, nur weil er nicht mit mir einer Meinung ist. Und erst durch die Auseinandersetzung ist man doch in der Lage 1. seine Ansichten und Meinungen zu untermauern, und/oder 2. zu prüfen, zu überdenken und ggf. anzupassen.

Ich finde das Ergebnis mehr als nur bedenklich und es sollte eher zum Überlegen anregen WARUM diese Meinung vorherrscht. Zensur ist etwas, was man eigentlich nur mit totalitären Staaten in Verbindung bringt. Was ist aber mit  (Eigen-) Zensur aufgrund öffentlichen Drucks?

In der Zwischenzeit ist mir der ehemalige Bundespräsident Gauck mit seiner Toleranz-Debatte zuvor gekommen. Ich gebe ihm hier in vielen Teilen recht, ein Umstand, den ich sicher nie so erwartet hätte. Es wird sich nicht mehr gerieben, es ist nicht modern unterschiedliche Standpunkte zu vertreten und darüber zu streiten. Es gibt klare Ausschlusskriterien, mit wem man eine Debatte führen kann und mit wem nicht. Es wird nicht davor zurückgeschreckt unter die Gürtellinie zu gehen, zu diffamieren und den sozialen Abstieg seines Gegenübers in Kauf zu nehmen – es wird sogar noch bejubelt.

Es geht nicht mehr um den Streit, um das „Vorankommen“, es geht um Selbsterhöhung. Es genügt nicht über ein Selbstwertgefühl zu verfügen, es muss von anderen anerkannt werden, selbst wenn man seinen gegenüber dafür herabsetzen muss.

Das gilt nicht nur für die typische links/rechts Debatte, sondern im Prinzip für jede Art von Diskussion. Je länger sie geführt wird, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Ausdruck und Wortwahl unter die Gürtellinie wandern und in Erniedrigung und einer Art Verzweiflung enden.

Wieso ist das so?

Sicher kann man das auf die Gesellschaft und eine gewisse „Verrohung“ schieben. Ich schiebe es auf die Akzeptanz, auf den sogenannten „common sense“. So zu agieren ist mittlerweile gesellschaftsfähig, quasi normal. Ich lehne mich dagegen auf, will mich diesem COMMON SENSE nicht anschließen, ich steige lieber aus einer Diskussion aus, als dass ich mich verbal verbiege und auf so ein Spiel einlasse. Ich habe zuviel Achtung vor dem Mensch an sich und auch, oder vor Allem, mir selbst gegenüber.

Wie ein Stück weiter oben bereits geschrieben, habe ich in den letzten Monaten öfter darüber nachgedacht das Spiel hier zu beenden. Der Blog hier wurde einfach langweilig und belanglos. Und je länger man darüber nachdenkt was man wie schreiben kann / darf, um so belangloser werden die Themen und die Ausführung derer. Und so entwickelte sich ein Blog, der ursprünglich polarisieren sollte und ungesagtes sagen wollte zu einem Blögchen.

Ich bin nach all der Denkerei letztlich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich aus dem Blögchen wieder einen Blog machen will. Wie und in welcher Form weiß ich dagegen noch nicht.

Evtl. gehe ich dafür wieder auf meine alte Domain zurück (subwort.com)  und beginne komplett neu, oder ich schiebe alles bisher Geschriebene ins Archiv zurück und bleibe hier. Möglicherweise halte ich auch meine Nase in eine Kamera und versuche mich an einem Video-Blog, oder mache eine Mischung aus beiden Varianten.

Umorganisation also. Das ist des Pudels Kern!

Ich werkel nun im Hintergrund ein wenig weiter und melde mich wieder, sobald es etwas zu berichten gibt. Möglicherweise mit einem Zwischenbericht, vielleicht mit einer neuen Page, ich weiß es noch nicht.

In diesem Sinne!

Freyr gleich Ullr ?

Ich glaube, ich habe relativ selten zum Thema Asatru, der nordischen Mythologie und was ich damit zu tun habe geschrieben und das wird sicher noch mal irgendwann der Fall sein.

Hier und heute geht mir mir aber in erster Linie um die beiden nordischen Götter Ullr und Freyr, sowie deren „Connection“, denn ich glaube mittlerweile, dass diese beiden so unterschiedlichen Götter eine uralte und, möglicherweise in den Mythen bereits unbekannte, Verbindung haben. Aber eins nach dem anderen…

Vorweg: Die nordische Götterwelt an sich ist ziemlich zerfasert. Wir haben klassische Gegensatzpaarungen, wir haben Ein-Prinzip Götter, ein paar Hybride und Welten voll von Gegenspielern und / oder Verbündeten. Ich habe mich schon oft gefragt, wieso das so ist und warum sich das nicht im Laufe der Jahrhunderte „bereinigt“ hat, wie in Griechenland, oder im alten Rom, deren Grundstock an Göttern ja quasi identisch ist mit der nordischen Götterwelt.

Möglicherweise liegt es daran, dass im Norden keine „Eroberung“ stattgefunden hat, sondern eine Symbiose. Natürlich ist es nur Vermutung, aber es wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass dem Asen/Wanen-Krieg ein reelles Aufeinandertreffen 2er (möglicherweise fast identischer) Kulturen voranging. Die indorgermanischen Einwanderer wären somit dann im Norden mit dem bereits ansässigen Volk eine Verbindung eingegangen, was in den anderen Teilen Europas möglicherweise nicht so stattgefunden hat. Manche sagen auch, dass der Norden von 2 indogermanischen Wellen mit zeitlichem Abstand bevölkert wurde und die Symbiose daher sogar eher eine logisch zwingende war….

Wie auch immer, die Wanen haben seltsamerweise den Krieg gewonnen, den Asen aber dennoch -nach Friedensverhandlungen und einem Geiselaustausch- die Herrschaft überlassen. Ein Zückerli in den Mythen ist, dass die Wanen mit den Geiseln (Hönir und Mimir) der Asen nicht zufrieden waren, Mimir köpften und Hönir mit dem Schädel zurück nach Asgard schickten. Die Reaktion der Asen: es gab keine.  Für mich wiederum ein klare Machtdemonstration der Wanen ggü. der Asen.

Waren die Asen also nur geduldete Herrscher? Und waren die „Geiseln„, die den Asen gegeben wurden (Freyr, Freya) vielleicht sogar eher eine Art Berichterstatter, Kontrolleure, oder gar Bewacher/Bewahrer des Friedensvertrags? Das könnte sogar einen eigenen Beitrag wert sein… ich denke drüber nach…

Aber hier geht es jetzt erstmal um Ullr und Freyr.

Ullr:

Ullr ist ein alter Gott, der offenbar nur in Skandinavien verehrt wurde in den Regionen nördlich von Oslo und Ostschweden. Heutzutage wird er als Gott des Bogenschießens, des Skilaufens, des Winters, der Jagd und des Todes gesehen. Er ist aber auch bekannt als Gott der Rechtsordnung und der Eide, Schutzgott des Zweikampfs, auch Ackerbau- und Weidegott.

Er steht für Klarheit, Gerechtigkeit, Geschicklichkeit und Treffsicherheit. Er ist einer der Bewahrer des Thingfriedens und er ist der Herr der Eiben (Bäume). Man nennt Ullr auch der Schild-Ase.

Ullr ist der Sohn eines Frostriesen und der Asin Sif – somit also ein Stiefsohn von Thor und man sagt, Ullr sei schön von Angesicht und kriegerisch von der Gestalt. Nachdem Skadi (eine Riesin) etwas unglücklich die Ehehfrau von Njörd und im Anschluß diese Verbindung gelöst wurde, ist sie die Verbindung mit Ullr eingegangen. Ein perfektes Paar.

Man sagt dass Ullr, nachdem Odin seine Ehre befleckt hatte (durch die Verführung der Asin Rindrfür kurze Zeit die Herrschaft von Odin übernommen hat. Ullr wurde dann aber von Odin verjagt und wieder auf seinen Platz verwiesen.

Ullr soll ein eher grausamer, aber durchaus gerechter  Gott sein, der den Winter liebt und von den Kriegern beim Kampfe angerufen wird.

Gerade in Norwegen und Schweden gibt es viele Orte, die nach Ullr benannt wurden,in Norwegen sogar drei Orte die in Verbindung mit Freyr (z.B. Ulsaaker-Froisaaker in Halingdal). Das alles lässt die Vermutung zu, dass Ullr – wenn nicht für geraume Zeit der Wichtigste – so doch ein äußerst wichtiger Gott war, der offenbar durchaus eine Zeit lang in direkter Konkurrenz zu Odin stand.

 

Freyr:

Von Freyr wissen wir, dass er mit seiner Schwester als Geisel von den Wanen zu den Asen entsendet wurde und dort – ohne großen Aufstand, Widerrede oder Ärger – einer der höchsten Götter wurde und die schönste der 9 Welten zugesprochen kam: Albenheim, oder etwas neuer und möglicherweise christlicher: LICHTalbenheim.

Ich habe Freyr früher eher als Frohnatur gesehen, der blumenpflückend über die Wiese hüpft und gerne mal die ein oder andere Dise verführt, sich aber aus kriegerischen Themen weitestgehend raushält. Freyr ist im Allgemeinen als Fruchtbarkeitsgott und Gott der Liebe bekannt. Wenn man von Freyr hört, denkt man zuerst an goldgelbe Weizenfelder und an seine wohl wunderschöne Schwester Freya – was somit vermuten lässt, dass auch Freyrs Aussehen nicht von schlechten Eltern sein dürfte. Zudem sieht man ihn auf alten Darstellungen und kleinen Anhängern mit erigiertem Phallus im Scheidersitz hocken – womöglich als Bezug zur Fruchtbarkeit und zur Liebe.

Dieses Bild hat sich mittlerweile komplett gedreht, Freyr ist für mich wesentlich mehr.

Freyr ist AUCH der Fruchtbarkeitsgott und der Gott der Freude, Liebe, der Natur, des Strahlens und allem weiteren, was man so damit verbindet. Ja, bei Freyr ist es durchaus möglich, dass er blumenpflückend durch Weizenfelder hüpft und Schmetterlinge beobachtet. Freyr ist aber auch Krieger, Held, Gott der Treue, Ehre, Herrschaft und Gerechtigkeit, Schutzgott, Eidgott, Gott des Zweikampfes, Gott der lichten Zeit, aber auch – Gott des Jahreswechsels und der Ruhe.

Freyr gilt als Anführer der Heerschar der Asen, als Krieger par Excellence. Zudem steht er in diesem Bezug auch, oder vor Allem,  für Ehre, Treue und auch für eine gewisse Art an Schicksalsergebenheit. Sofern die Geschichte unbekannt ist, will ich sie mal kurz zusammenfassen. An Ragnarök ziehen sich die Wanen komplett aus den Kämpfen zurück. Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Wanen als Naturgötter die Neuschaffung der Welt nach Ragnarök organisieren wollen, oder müssen. Freyr ist der einzige Wane, der sich an der letzten Schlacht nicht nur beteiligt, nein, er ist derjenige, der sich dem geifernden Surt stellt, der bereits seit Beginn aller Zeit am Rande von Ginnungagap steht und mit seinem Feuerschwert auf die andere Seite giert, wartet, damit Ragnarök endlich losgeht.

Und dann steht da Freyr. Als einziger der Vanen. Bewaffnet mit einem Hirschgeweih. Wohlwissend, dass er damit den Surt nicht besiegen kann. Ein ehrenhafter und treuer Held.

Freyr ist einer jener Götter, dem man nicht eine Horde von Nachkommen nachsagt. Nachdem er sich von seiner Schwester trennen musste fristete er weitestgehend alleine sein Dasein in Albenheim und auf den Banketten der Asen. Zudem gibt es auch nicht viele Menschengeschlechter, die sich auf einen Abkömmling Freyrs berufen. Meines Wissens ist es lediglich das schwedische Herrschergeschlecht der Ynglinger und ein Teil der Ladejarle in der Trondelag. Auch in den Mythen ist hier nichts zu finden. Man kann also davon ausgehen, dass der gute Freyr seine Kräfte durchweg bewusst und zielgerichtet eingesetzt hat.

Eines Tages aber, Odin war unterwegs oder anderweitig beschäftigt, schlich sich Freyr auf den Hlidskjalf, Odins Thron, an dem er alle 9 Welten im Blick hat. Freyr sah sich um und erblickte eine Riesin namens Gerdr in die er sich sofort verliebte. Er entsandte seinen Diener Skirnir um sie zu freien und schenkte ihm zu Schutz sein Schwert (ein wahres Wunderwerk, das quasi alleine kämpfen konnte) und sein Schlachtross. Nach einigem hin und her (Gerdr zierte sich dann doch etwas) wurde der Bund geschlossen. Freyr wartete also mit seinem Verlangen und seiner Liebe auf die richtige Frau, um den Bund einzugehen. Auch hier kommt der Treueaspekt klar zum Ausdruck.

Freyr gilt auch als Eidgott, denn der Bund zweier Menschen wurde auf seinen Namen geschlossen. Nicht nur aufgrund der Fruchtbarkeit, sondern auch -und vielleicht vor Allem- aufgrund seines Treueaspektes.

Interessanterweise ist da der Sidekick auf sein Schwert in der Überlieferung. Die Götter wissen, ebenso wie wir, relativ genau was an Ragnarök passieren wird. Dennoch handeln sie nicht dahingehend Ragnarök zu verändern, oder gar zu verhindern. Man könnte von Dummheit, oder einem gewissen Fatalismus sprechen. Im Sinne von Freyr gehe ich in erster Linie von dem Aspekt Ehe, Liebe und Frieden aus. Frei nach dem Motto, nutze Deine Zeit für die wichtigen Dinge und kümmere Dich nicht um das, was unabwendbar ist. Denn was nutzt Dir Dein Schwert, wenn Dein Tod unweigerlich kommen wird? Genau.

Das Hirschgeweih lässt Freyr in die Richtung des keltischen Cernunnos rücken und legt die Vermutung nahe, dass es hier eine gewisse Verwandtschaft gibt und Freyr wesentlich älter ist, als die Asen/Vanen Geschichte.

Freyr gilt als äußerst gut aussehend, wird in Summe aber recht unterschiedlich dargestellt. Blond ist die erste Assoziation aufgrund seines Sommeraspektes. Er wird aber auch als rot- oder dunkelhaarig bezeichnet. Der gepflegte, gestutzte Bart scheint eines seiner Markenzeichen zu sein., das sich durch die Geschichten durchzieht.

Freyr wird häufig von heidnischen Kampfsportlern angerufen, was wohl auf seinen Disput mit dem Bruder seiner Frau zurückzuführen ist, den er mit einem Fausthieb hätte töten können… „hätte“, wohlgemerkt. Ein Zeichen dessen, das er sich wohl nicht zu unüberlegten Handlungen hat wirklich hinreißen lassen.

 

Die Verbindung von Freyr und Ullr:

Freyr und Ullr bilden für mich ein klassisches Gegensatzpaar, ähnlich wie Baldr und Hödr. Während sich Freyr wohl um die helle Zeit des Jahres gekümmert hat, ist es Ullr, der die dunkle Seite repräsentiert.

Ansonsten sind die Überschneidungen zu prägnant, um sie zu ignorieren. Beide sehen gut aus, sind offenbar ausgezeichnete Kämpfer und gelten als Götter der Weide und des Ackerlandes – was ja bei beiden für eine Art Fruchtbarkeitsaspekt spricht. Beide gelten als Eidgötter – wenn auch für unterschiedliche Arten und beide haben eine Riesin zur Frau. Weder von Ullr noch von Freyr ist eine ausschweifende Existenz bekannt, es scheint fast so, als ob beide sich weitestgehend aus den typischen asischen Festen und Gelagen heraushielten und eher für sich blieben.

Beide haben für kurze Zeit den Thron Odins inne und beide gelten als gerechte Herrscher. Sowohl Ullr als auch Freyr werden dem vernünftigen Kampf zugerechnet und beide scheinen bereits älter zu sein, als man von den Asen im Allgemeinen vermutet.

Ullr wirkt auf mich ein wenig wie die mürrische, düstere Version des Freyr und möglicherweise gab es in den vor-asischen Zeiten tatsächlich diese Dublette. Freyr zuständig für den Sommer, Ullr zuständig für den Winter.

Sicherlich gibt es Unterschiede, die möglicherweise erst in späteren Zeiten hinzugefügt wurden. Freyrs Schiff und sein Kampfeber zum Beispiel, Ullrs Fortbewegung auf Skiern und seine Vorliebe für Pfeil und Bogen… was für mich aber eher nebensächlich ist.

Für mich sind beide zumindest auf eine gewisse Art zwei Seiten einer Münze und bilden somit eine Symbiose, die logisch ist.

 

Soviel mal dazu. Für mich ist das eine logische Erklärung… was nicht heißt, dass dies richtig sein muss. Wie seht ihr das?

Zwischenbericht

Das erste Quartal dieses Jahres ist beinahe rum, daher wird es Zeit für einen Zwischenbericht, einen Statusbericht sozusagen.

Das durchaus enervierende Jahr 2018 setzt sich fast nahtlos 2019 fort und legt sogar noch eine Schippe drauf. Aber ich will auch nicht jammern, dazu verleitet so ein Umstand ja nur allzu gerne, ich will lieber darüber berichten, was ich geändert habe, gerade ändere und ändern werde!

Ich werde euch also eine Art Checkliste zu Verfügung stellen, anhand derer ihr den Fortschritt / oder auch Rückschritt beobachten könnt. Updates folgen in stiller Regelmäßigkeit. here we go!

Was ich geändert habe:

  • Facebook- und Instagramkonto gekündigt / gelöscht.  Klar, das dauert halt etwas, bis „die Löschung“ durch ist. Das ist quasi „des Zuckerberg’s Hoffnung“, dass man in der Zwischenzeit doch wieder zurückkehrt…
  • Von Altlasten befreit. Ich habe es endlich geschafft den (wirklich extrem zugedröhnten) Keller auszuräumen und mich von alten Lasten generell zu befreien. Die Erleichterung setzt erst jetzt langsam ein.

Was ich gerade ändere:

  • Tatsächlich schaffe ich es wieder halbwegs regelmäßig ins Fitnessstudio. Zwar „nur“ 1x die Woche bisher, aber immerhin.
  • Bisher habe ich es nicht wieder in den Trainingsraum meiner Lieblingskampfunst geschafft, aber der Termin steht (kommende Woche) und alles steht auf GRÜN!
  • Weg von der 60 Stunden Arbeits-Woche auf ein normales, akzeptables Pensum. Ich arbeite gerne, auch gerne hart, aber es soll sich auch lohnen. Aktuell tut es das nicht.
  • Meditation ist gut, um die Erdung nicht zu verlieren. Ja, es ist nicht leicht die innere Ruhe zu finden. Es ist auch nicht leicht, die Zeit dafür zu finden. Ich halte mich da mittlerwiele an den Spruch eines alten Zen/Chan-Meisters, dessen Name ich nicht kenne: „Alle Menschen sollten 1x am Tag 10 min meditieren. Es sei denn man hat keine Zeit, dann sollte man 1 Stunde meditieren.“ Gut. Eine Stunde täglich packe ich nun nicht, aber es sind zwischen 10 und 20 Minuten alle paar Tage.
  • Lesen. Ich lese wieder mehr. Gerade in den letzten Monaten haben die Bücher auf meiner Kommode (dort parke ich die „to read“ Bücher) ziemlichen Staub angesetzt. Nun… jetzt sind sie wieder davon befreit.
  • Zeit für Musik. Ich habe früher mal Gitarre in einer Band gespielt, liebe – neben dem Extremen Metal – Jazz, Swing und generell die Musik der 20er und 30er Jahre, und habe diese Mucke immer gerne gehört. Vor Kurzem habe ich mal wieder meinen alten Plattenspieler aktiviert, meine Plattensammlung nach dem Aufräumen des Kellers wieder griffbereit platziert und genieße wieder in stiller Regelmäßigkeit die Freuden der Musik. Zudem stocke ich nach und nach meine Vinyl-Sammlung auf.

Was ich ändern werde:

  • Nahrung. Gerade die letzten stressigen Monate habe ich mich tagsüber echt übel ernährt. Dem will ich einen Riegel vorschieben und mich wieder auf die Basics konzentrieren. Good stuff, you know?
  • Mehr qualitiy time. Mit Musik, Buch und Meditation habe ich schon einen guten Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber meinethalben nicht genug.  Mehr Zeit mit der Family, mehr Zeit in der Natur und mehr Zeit für Dinge, die mich wirklich interessieren.
  • Kleidungsstil. Ich will weg von den instant- und modernen Klamotten, keinen Bock mehr auf Sneakers-Scheiß, die sowieso nach 4 Wochen kaputt sind, auf T-Shirts, die ohnehin nach einer Wäsche die Form verlieren, oder Hemden, die sich so stark verziehen, daß man sich hinein“drehen“ muss. Das Krasse ist ja eigentlich, dass es mittlerweile egal ist, wo man seine Klamotten kauft, oder welcher Markenschnipsel eingearbeitet wurde. Also auch sogenannte „Marken“-T-Shirts und Hemden sind echt Dreck. Letztens ist mir eine fast neue  G-Star Jeans beim Anziehen zerrissen. Unfassbar. Also „back to quality stuff“ mit leichter Orientierung an den 20er Jahren. Meiner favorisierten Zeit. Und das hat nichts mit Preis oder Marke zu tun.
  • Umorientierung. Möglicherweise ist es „gefährlich“ so etwas in einem öffentlichen Blog zu schreiben, aber egal. Mit geht es nicht um einen irgendeinen neuen Job, mir geht es darum herauszufinden, was denn das Richtige für mich ist. In dem derzeitigen Zustand fühle ich mich nicht mehr wohl. das war eine Zeit lang cool, mittlerweile ist es nicht mehr meins. Das hat diverse Gründe, auf die ich hier nicht näher eingehe. Es geht um mich und um das, was mich wirklich erfüllt und letztlich natürlich auch glücklich macht. Ich denke, dies ist ein langwieriger Prozess, der erst kürzlich gestartet wurde und sicher nicht nächste Woche abgeschlossen ist. Aber ich bin neugierig drauf.
  • Umbau des Blogs. Ich werde den Blog hier umbauen, entschlacken und die Themenbereiche verändern. Das passiert in Kürze.

Soviel mal dazu. Ich denke die Liste werde ich regelmäßig aktualisieren und posten. Und ich bin gespannt, ob und wie sie sich verändert wird und vor Allem, WAS denn dann genau unter dem Punkt „was ich verändert habe“ stehen wird.

Sehr cool, ich freu mich…. 🙂